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Vorsorge

Notfallordner für den Todesfall: Was Angehörige brauchen

2026-09-28•Team Ordner-Held•10 Min Lesezeit
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Hinweis: Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen und keine Rechtsberatung im Einzelfall. Amtliche Muster, etwa für die Vorsorgevollmacht, stellt das Bundesministerium der Justiz bereit. Beraten lassen können Sie sich bei einem Notar, einer Anwältin oder einem Anwalt, bei der Betreuungsbehörde oder einem Betreuungsverein. Mehr in den Nutzungshinweisen.

Nach einem Todesfall müssen Angehörige in wenigen Tagen viel erledigen: den Tod beim Standesamt anzeigen, die Bestattung beauftragen, ein Testament abliefern, Rente, Versicherungen und Vermieter informieren. Ein Notfallordner nimmt ihnen die Suche nach Urkunden, Vertragsnummern und Ansprechpartnern ab. Dieser Beitrag zeigt, was zuerst gebraucht wird und welche Fristen gelten.

Das Wichtigste in Kürze
  • Der Sterbefall muss spätestens am dritten Werktag nach dem Tod beim Standesamt angezeigt werden.
  • Ein Testament, das zu Hause liegt, muss unverzüglich beim Nachlassgericht abgegeben werden.
  • Wer die Erbschaft ausschlagen will, hat in der Regel sechs Wochen Zeit.
  • Geburts- und Heiratsurkunde des Verstorbenen werden für die Sterbeurkunde gebraucht, am besten liegen sie im Ordner.

Die ersten Stunden

Stirbt ein Mensch zu Hause, muss eine Ärztin oder ein Arzt den Tod feststellen und die Todesbescheinigung ausstellen. Das kann die Hausärztin sein, nachts und am Wochenende der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117. Im Krankenhaus oder Pflegeheim übernimmt das die Einrichtung. Danach ist Zeit, durchzuatmen. Niemand muss in der ersten Stunde Verträge kündigen.

Viele Familien beauftragen als Nächstes ein Bestattungsunternehmen. Es übernimmt auf Wunsch einen Teil der Behördengänge, auch die Anzeige beim Standesamt. Dafür braucht es die Unterlagen aus dem nächsten Abschnitt. Wie lange Zeit bis zur Bestattung bleibt, regelt jedes Bundesland in seinem eigenen Bestattungsgesetz, die Fristen sind unterschiedlich.

Diese Unterlagen braucht das Standesamt

Für die Sterbeurkunde verlangen Standesämter in der Regel die Originale. Das Land Berlin nennt zum Beispiel:

  • die Todesbescheinigung
  • die Geburtsurkunde der verstorbenen Person
  • die Ehe- oder Lebenspartnerschaftsurkunde, falls verheiratet
  • bei Scheidung oder Verwitwung einen Nachweis, dass die Ehe aufgelöst ist

Andere Städte verlangen zusätzlich den Personalausweis. Fragen Sie im zuständigen Standesamt nach, das ist das Amt am Sterbeort. Genau hier zeigt sich der Wert eines Notfallordners: Wenn Urkunden und Ausweisnummern an einer Stelle liegen, dauert der Gang zum Amt Minuten statt Tage. Unsere Tabelle Nummern auf einen Blick sammelt alles auf einem Blatt.

Fristen nach einem Todesfall

Einige Fristen stehen im Gesetz, andere in Verträgen. Diese Übersicht nennt die wichtigsten mit ihrer Grundlage. Sie ersetzt keine Beratung im Einzelfall.

WasFristGrundlage
Sterbefall beim Standesamt anzeigenspätestens am dritten Werktag nach dem Tod§ 28 PStG
Testament beim Nachlassgericht abgeben, wenn es nicht amtlich verwahrt istunverzüglich§ 2259 BGB
Lebens- oder Sterbegeldversicherung informierenunverzüglich, Einzelheiten im Vertrag§ 30 VVG
Vorschuss auf die Hinterbliebenenrente (Sterbevierteljahr) beantrageninnerhalb von 30 Tagen nach dem TodDeutsche Rentenversicherung
Mietwohnung außerordentlich kündigen, wenn niemand in den Vertrag eintrittinnerhalb eines Monats nach Kenntnis vom Tod, mit gesetzlicher Frist§ 564 BGB
Erbschaft ausschlagensechs Wochen, bei Auslandsbezug sechs Monate§ 1944 BGB
Achtung bei der Ausschlagung: Die sechs Wochen beginnen, sobald der Erbe vom Erbfall und vom Grund seiner Berufung weiß. Gibt es ein Testament, beginnt die Frist nicht vor dessen Bekanntgabe durch das Nachlassgericht. Wer Schulden im Nachlass vermutet, sollte sich früh beraten lassen, etwa von einer Notarin oder einem Anwalt für Erbrecht.

Rente und Sterbevierteljahr

Bezog die verstorbene Person bereits eine Rente, können Witwe oder Witwer einen Vorschuss beantragen. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung wird dann für die drei Monate nach dem Sterbemonat die volle Rente weitergezahlt, das sogenannte Sterbevierteljahr. Der Antrag geht innerhalb von 30 Tagen an den Renten Service der Deutschen Post. Den regulären Antrag auf Hinterbliebenenrente braucht es trotzdem. Im Notfallordner sollten deshalb Rentenversicherungsnummer und Rententräger stehen.

Testament, Erbvertrag und das Testamentsregister

Notarielle Testamente, Erbverträge und Testamente in amtlicher Verwahrung sind im Zentralen Testamentsregister der Bundesnotarkammer erfasst. Das Nachlassgericht erfährt dadurch von ihnen. Ein Testament, das nur zu Hause in der Schublade liegt, kann dort nicht eingetragen werden. Es wird nur gefunden, wenn jemand weiß, wo es liegt.

Deshalb gehört in den Notfallordner ein klarer Hinweis: Gibt es ein Testament? Wo liegt das Original? Ist es amtlich verwahrt? Den Inhalt müssen Sie dort nicht aufschreiben.

Konten, Verträge und digitale Zugänge

Nach der Bestattung geht es um Konten, Daueraufträge, Versicherungen, Mitgliedschaften und Abos. Wer eine Liste der Verträge mit Kundennummern hat, schreibt in einem Nachmittag alle Kündigungen. Wer keine hat, sucht Monate später noch nach Abbuchungen auf dem Kontoauszug.

Auch E-Mail-Postfach und soziale Netzwerke gehören zum Nachlass. Der Bundesgerichtshof hat 2018 entschieden, dass der Vertrag mit einem sozialen Netzwerk auf die Erben übergeht und sie Zugang zum Konto verlangen können (Az. III ZR 183/17). Praktisch ist es trotzdem einfacher, wenn der Notfallordner sagt, wie Angehörige an die Zugänge kommen. Wie das ohne Passwort auf Papier geht, erklärt unser Beitrag Passwortmanager und Notfallordner.

Was Sie heute schon vorbereiten können

Niemand denkt gern an den eigenen Tod. Aber eine Stunde Vorbereitung erspart Ihrer Familie viele Stunden in einer ohnehin schweren Zeit. Diese Liste reicht für den Anfang:

  • Geburts- und Heiratsurkunde im Original oder als Kopie in den Ordner, mit Ablageort
  • Rentenversicherungsnummer, Krankenkasse, Steuer-ID
  • Alle Versicherungen mit Vertragsnummer, besonders Lebens- und Sterbegeldversicherungen
  • Konten und Banken, ohne PIN und Passwort
  • Hinweis auf Testament, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung mit Ablageort
  • Wünsche zur Bestattung, falls Sie welche haben, etwa Ort und Art
  • Mietvertrag, Versorger, Abos und Mitgliedschaften

Alle diese Punkte haben im Notfallordner von Ordner-Held einen festen Platz. Die vollständige Liste steht in der Notfallordner-Checkliste.

Fazit

Nach einem Todesfall zählen die ersten Tage. Ein Notfallordner mit Urkunden, Nummern, Verträgen und dem Ablageort des Testaments macht diese Tage leichter. Legen Sie ihn an, solange Sie selbst entscheiden können, am Bildschirm oder auf Papier.

Quellen

Häufige Fragen

Wer muss einen Todesfall beim Standesamt melden?
Das Gesetz nennt eine Reihenfolge: zuerst wer mit der verstorbenen Person zusammengelebt hat, dann wer die Wohnung innehat, dann wer beim Tod dabei war. Stirbt jemand im Krankenhaus oder Heim, zeigt die Einrichtung den Tod an. In der Praxis übernimmt das häufig das Bestattungsunternehmen im Auftrag der Familie.
Was mache ich mit einem Testament, das ich zu Hause finde?
Sie müssen es unverzüglich beim Nachlassgericht abgeben, auch wenn Sie selbst nicht darin bedacht sind. Behalten dürfen Sie es nicht, und einen verschlossenen Umschlag öffnen Sie besser nicht selbst, das übernimmt das Gericht. Nachlassgericht ist das Amtsgericht, in dessen Bezirk die verstorbene Person zuletzt gelebt hat.
Wie viel Zeit habe ich bis zur Bestattung?
Das regelt jedes Bundesland selbst, die Fristen unterscheiden sich. Das Bestattungsunternehmen kennt die Regeln vor Ort. Wünsche der verstorbenen Person, etwa zu Erd- oder Feuerbestattung, helfen bei der Entscheidung, wenn sie im Notfallordner stehen.
Läuft der Mietvertrag nach dem Tod einfach weiter?
Bei einer Mietwohnung können Ehepartner, Kinder oder andere Haushaltsangehörige in den Vertrag eintreten. Tut das niemand, geht er auf die Erben über. Erben und Vermieter können dann innerhalb eines Monats nach Kenntnis vom Tod außerordentlich mit der gesetzlichen Frist kündigen.
Wie viele Sterbeurkunden brauche ich?
Mehr als man denkt, denn Banken, Versicherungen, Rentenversicherung und Vermieter verlangen oft eine eigene Ausfertigung. Viele Familien bestellen gleich mehrere. Fragen Sie beim Standesamt nach den Gebühren für weitere Exemplare.
Ersetzt ein Notfallordner das Testament?
Nein. Ein eigenhändiges Testament muss vollständig von Hand geschrieben und unterschrieben sein, ein Blatt im Notfallordner erfüllt das nicht. Der Ordner sorgt dafür, dass ein vorhandenes Testament gefunden wird.
Team Ordner-Held

Wir helfen Familien, sich auf den Ernstfall vorzubereiten, mit kostenlosen Vorlagen, klaren Anleitungen und dem Ordner-Held-Konzept.