Stellen Sie sich vor: Sie sind im Krankenhaus, bewusstlos. Ihre Familie braucht Zugriff auf Ihr E-Mail-Konto, Ihr Online-Banking oder Ihre digitalen Versicherungsunterlagen. Ohne Vorsorge stehen sie buchstäblich vor verschlossenen Türen. Ein unterschätztes Thema im Notfallordner: digitale Zugänge.
Das Problem mit Passwörtern im Notfall
Moderne Sicherheitsempfehlungen fordern einzigartige, komplexe Passwörter für jeden Dienst. Das ist richtig, aber es bedeutet auch, dass niemand außer Ihnen diese Passwörter kennt. Im Notfall ist das ein Problem.
Das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) warnt seit Jahren vor der Mehrfachnutzung gleicher oder ähnlicher Passwörter für verschiedene Dienste, ein Sicherheitsrisiko im Alltag und ein Problem im Erbfall.
Die Lösung: Vollmachten und Notfallzugriff
Passwörter, PINs und Banking-Zugangsdaten gehören nicht auf Papier. Besser sind Wege, die für den Notfall vorgesehen sind:
- Nutzen Sie einen Passwort-Manager (z.B. Bitwarden, KeePass, 1Password)
- Richten Sie dort, wenn angeboten, die Notfallzugriff-Funktion für eine Vertrauensperson ein
- Für das Konto: Eine Kontovollmacht (über den Tod hinaus) direkt bei der Bank einrichten. Banking-Zugangsdaten an Dritte weiterzugeben kann gegen die Bedingungen der Bank verstoßen.
- Im Notfallordner halten Sie nur fest, wo Zugänge hinterlegt sind und wer Bescheid weiß
Welche Zugänge sind besonders wichtig?
- E-Mail-Hauptkonto: Schlüssel für alle anderen Passwort-Resets
- Bankkonten: für Überweisungen und laufende Kosten (Zugriff über eine Kontovollmacht, nicht über Ihre Zugangsdaten)
- Kranken- und Lebensversicherung Online-Portale
- Cloud-Speicher (iCloud, Google Drive, Dropbox) mit wichtigen Dokumenten
- Social Media: für digitalen Nachlass und Gedenkkonten
- Abonnements: die gekündigt werden sollen
Der „Digitale Notfallbrief"
Ergänzend zum Passwort-Manager empfehlen wir einen digitalen Notfallbrief im Notfallordner. Er enthält keine Passwörter, sondern nur Hinweise:
- Name des Passwort-Managers und wer als Notfallkontakt eingerichtet ist
- Bei welchen Banken eine Kontovollmacht besteht und für wen
- Welche wichtigen Konten es gibt (E-Mail, Versicherungsportale, Abos)
- Wer Bescheid weiß und wen Angehörige zuerst ansprechen sollen
Kurz-FAQ
Fazit
Digitale Zugänge sind ein oft vergessener Teil des Notfallordners. Ein Passwort-Manager mit Notfallzugriff, eine Kontovollmacht bei der Bank und ein digitaler Notfallbrief ohne Passwörter im Finanzen-Blatt schützen Ihre Familie auch in der digitalen Welt.